Schreibanfänger machen häufig ganz bestimmte Fehler und blockieren sich selbst beim Schreiben. Auch Profis kennen diese Momente, in denen es stockt und knirscht. Doch sie haben oft Strategien, um mit Schreibkrisen umzugehen. Wenn du gerade am Anfang stehst oder bestimmte Situationen sich wiederholen und dich vom Schreiben abhalten, findest du dich vielleicht in diesem Blogartikel wieder. Ich habe 5 typische Fehler aufgeschrieben, die insbesondere Schreibanfänger betreffen. Außerdem liefere ich Tipps, wie du sie vermeidest.
Anfänger-Fehler Nr. 1: Du redest übers Schreiben, schreibst aber nicht
Ich kenne viele Menschen, die über das Schreiben reden. Dabei würden sie gern schreiben. Eigentlich. Doch das eigentliche Problem liegt meist nicht im Können oder am Zeitmangel, sondern es sitzt im Bauch oder im Herzen. Meist sitzen dort Zweifel und Ängste. Sie sind größer als der Wunsch zum Schreiben und führen zu Ausweichmanövern.
Warum ist das ein Fehler?
Schreiben heißt schreiben, weil man schreibt. Wer nicht schreibt, sondern übers Schreiben redet, fantasiert, träumt… macht etwas grundlegend falsch: er schreibt nicht. Dieser Fehler ist genauso häufig wie tückisch. Inhaltlich bist du beim Thema, wenn du von deinem Wunsch sprichst, zu schreiben. Du bist gefühlt in der Nähe des Schreibens, aber eben nur in der Nähe, nicht IM Schreiben. Und plötzlich ist wieder ein Tag vorbei, an dem du nicht geschrieben hast.
So vermeidest du diesen Fehler
Fang an zu schreiben. Gewöhne dich daran, tatsächlich zu handeln. Immer wenn du dich dabei ertappst, über das Schreiben zu sprechen oder stapelweise Bücher über das Schreiben zu lesen, ohne auch selbst zu schreiben… setze dich bewusst hin und schreibe. Es ist zunächst egal, was du schreibst, Hauptsache du kommst ins Tun. Schreib eine Postkarte an eine Freundin, notiere deine Gedanken zum Tag oder überlege dir, warum du schreiben möchtest. Schriftlich, auf dem Blatt Papier, und mit der Hand. Dann ist der Anfang gemacht. Schreibe anfangs 3 Minuten pro Tag, dann 5, dann 10 Minuten. Stell dir eine Uhr. Und lass deinen Schreibblock danach sichtbar liegen, an einem Ort, an dem du häufig vorbeikommst. Damit schaffst du einen visuellen Anker, der dich an dein Vorhaben erinnert.
Anker setzen
Ein stets aufgeklappter Schreibblock mit einem Stift darauf wirkt auf dein Unterbewusstsein, auch wenn du daran vorbeiläufst. Dein Auge nimmt ihn wahr.
Auch kleine Erinnerungen per Post-its an strategischen Stellen helfen. Zusätzlich zum Schreibmaterial zuhause kannst du ein kleines Notizbuch in der Tasche haben. Für unterwegs, fürs Pendeln mit dem ÖPNV, fürs Café. Statt in einer Wartesituation durch Insta zu scrollen, notierst du Gedanken oder Textideen. Je öfter dir das gelingt, desto näher kommst du dem richtigen Schreiben.
Anfänger-Fehler Nr. 2: Du investierst in wunderschöne, kostbare Schreibbücher
Jede Buchhandlung und jeder Schreibwarenladen hat dieses eine Regal oder diesen Drehständer mit wunderschönen Heften und Kladden, die Schreibinteressierte magisch anziehen. Kleine Notizbücher für unterwegs haben oft schöne Mustereinbände oder ein schönes Zitat auf dem Cover, größere, gebundene Versionen von Schreibbüchern gibt es in Din A 5 oder Din A 4, liniert, kariert, gepunktet oder ganz blanco. Ach, und dann diese Haptik, die Farben und manche haben noch ein praktisches Lesebändchen, ein buntes Gummiband oder einen Umschlag mit einem Fach für den Schreibstift. Gekauft! Auch wenn bereits etliche solcher Notizbücher zuhause einstauben.
Warum ist das ein Fehler?
Nichts gegen schöne Schreibbücher – ich habe selbst etliche! Ein Fehler wird das Ganze nur, wenn du wie ferngesteuert in teure Stifte und Schreibmaterial investierst und dann nicht schreibst. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen: Je schöner, wertvoller und kostbarer das Buch, desto schwieriger fällt das Schreiben darin – vor allem Schreibanfängern. Warum? Du willst in ein solch tolles Buch nur besonders tolle Dinge schreiben… Du bist schneller in der Schreibblockade als du „Stimmt!“ sagen kannst.
So vermeidest du diesen Fehler
Schreib zu Beginn oder auch in Schreibkrisen auf profanem und günstigem Papier. Das ist ein bewährter Trick, um die Messlatte niedriger zu hängen und die eigenen Ansprüche zu bändigen. Du kannst jederzeit später auf schöne Schreibbücher umsteigen oder besonders gelungene Texte später dort eintragen oder einkleben. Zu Beginn aber ist es hilfreich, sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, ob ein Text gut genug ist, um in dieses tolle Notizbuch hineinzudürfen. Du wartest nicht auf die eine originelle Idee. Du ärgerst dich nicht über misslungene Textabschnitte oder darüber, dass du das schöne Buch mit einem mittelmäßigen Text versaut hast. Du schreibst. Und darauf kommt es an.
Keine Angst vor dem weißen Blatt
In meinen Schreibwerkstätten lasse ich die Teilnehmer*innen immer auf ganz einfachem Druckerpapier schreiben. Weiße Blätter, ohne Schmuck und Gedöns. Ein Bleistift dazu. Das klappt!
Anfänger-Fehler Nr. 3: Du kombinierst zu große Pläne mit zu wenig Schreibübung
Wer vom Schreiben träumt, meint meist ein Schreibergebnis. Ein fertiges Buch, am besten gedruckt und bereits im eigenen Regal und in Buchhandlungen unter den Bestsellern einsortiert. Mit diesem Bild vor Augen vergisst man allzu leicht, welche Entstehunggeschichte und welches Investment zwischen zwei Buchdeckeln verborgen liegt: Zeit. Kraft. Nerven. Ausdauer. Schreibtechnik. Erfahrung. Scheitern. Neuanfang. Und wieder von vorn: Zeit. Kraft. Nerven. Ausdauer, etc.
Warum ist das ein Fehler?
Schreiben ist eigentlich ein Verb. Oder ein als Substantiv genutztes Verb. Es geht beim Schreiben also um das Tun, den Prozess des Schreibens und eben noch nicht um das Ergebnis. Viele Menschen machen sich das nicht bewusst, wenn sie ans Schreiben herangehen. Und oft überschätzt man auch die eigene Schreibkompetenz, wenn es an aufwändigere, also länger andauerne Projekte geht. Dann kommt die erste schleppende Phase, die Anfangsbegeisterung verpufft, der Schreiballtag ist weniger glamourös als gedacht, der Prozess zieht sich und ist immer wieder wirklich mühsam. Auch Zweifel schleichen sich ein, der Innere Kritiker wird lauter. Der große Plan wirkt unerreichbar und wird zur Qual. Ohne Schreibübung und kreative Techniken ist man in diesen Situationen verloren.
So vermeidest du diesen Fehler
Egal, wie groß das Projekt und dein Traum sein mag: Bleib mit deinem Fokus auf dem Schreiben selbst. Schiebe den Plan und das angestrebte fertige Produkt gedanklich auf die Seite, während du die erste Textversion schreibst und lasse die Worte unzensiert und frei auf das Papier fließen. Ein Text muss sich entwickeln. Er braucht Hingabe, dann eine Stimmung, einen Rhythmus und die zum Projekt passende Sprache. Nach einer Ruhephase für den Text gehst du in die Verbesserung, schreibst eine zweite Version. Jetzt suchst du nach dem richtigen Satzanfang, den genau passenden Worten, entscheidest, welche Satzlängen, Tempowechsel, Dramaturgie deinem Text dienen, lernst Schreibtechniken, die deinen Text voranbringen. Wenn du das lang genug machst, geht dein großer Plan am Schluss vielleicht doch noch auf. Jedenfalls steigen die Chancen dafür drastisch! ☺️
Anfänger-Fehler Nr. 4: Du hast ein falsches Mindset
Nenne es Mindset, nenne es Glaubenssätze. Im eigenen Kopf jedenfalls geht es rund und es ist wichtig, mal hinzusehen und hinzuhören, um zu verstehen, was quasi zwischen den Zeilen „mitschreibt“, wenn du schreibst.
Ich kann nicht schreiben.
Zum Schreiben ist man geboren – oder auch nicht.
Schreiben können nur Genies.
Ich war schon in der Schule schlecht im Schreiben. Rechtschreibung war immer ein Problem für mich, warum soll ich jetzt schreiben können?
Ich habe nichts zu sagen, ich bin langweilig.
Keinen interessiert, was ich zu sagen habe.
Schreiben kann ich erst, wenn ich dazu 77 Fortbildungen besucht habe.
Schreiben ist unnötig, ich kann die KI für mich schreiben lassen.
Wenn ich in Rente bin, habe ich Zeit zum Schreiben.
Wenn dir einer oder mehrere dieser Sätze bekannt vorkommen: Willkommen im Club der Saboteure. Du hast mit solchen Gedanken ein wenig hilfreiches Mindset.
Warum ist das ein Fehler?
Wer schreiben will, aber solche zweiflerischen Sätze in Kopf und Unterbewusstsein hat, wird sich vermutlich nicht ans Schreiben wagen oder beim Schreiben scheitern. Der Schreibwunsch wird hartnäckig wiederkehren, aber die Umsetzung ist hakelig und frustrierend. Viele Menschen finden die negativen Sätze dann auf magische Weise bestätigt – wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Doch hier kommt ein Trost: Ich kenne niemanden mit einem perfekten und ausschließlich hilfreichen Mindset. Wie immer kommt es auf den Umgang damit an. Und die Dosis macht das Gift.
So vermeidest du diesen Fehler
Ganz vermeiden lassen sich solche Gedankenfetzen nicht. Mach dir klar, dass Störfeuer beim Schreiben normal sind. Selbst große und erfolgreiche Schriftsteller*innen hörten diese fiese Stimme flüstern: „Lass es. Du kannst nicht schreiben. Dir fehlt das Talent“ und reagierten mit schwerwiegenden Schreibblockaden. Du brauchst nur ein paar Autorenbiografien zu lesen.
Du löst die Situation, indem du genau hinhörst, deine Glaubenssätze wahrnimmst, sie hinterfragst, dich mit ihnen auseinandersetzt, kurz: indem du an deinem Mindset arbeitest. Das geht in extremen Krisen vielleicht nur mit professioneller Hilfe, in vielen Fällen aber auch durch Schreiben. Ja, richtig gelesen: Das Schreiben selbst ist oft der Weg zur Lösung. Denn während du schreibst, reflektierst du, wirst achtsamer, kommst deinen Saboteuren auf die Schliche und veränderst deine Gedanken – und dich selbst.
Buchtipp
Julia Cameron: Von der Kunst des Schreibens… und der spielerischen Freude, Worte fließen zu lassen.
Anfänger-Fehler Nr. 5: Du gehst deinen eigenen Ausreden auf den Leim
Nicht-Schreiben ist häufig von Ausreden begleitet. Du kannst heute nicht schreiben, weil es zu heiß ist, zu kalt, zu grau, … weil dir die Energie fehlt, die Idee, der Kuss der Muse… Oder: Du hast einfach keine Zeit zu schreiben. Aber wenn du Urlaub hast/ in Rente gehst, dann…
Warum ist das ein Fehler?
Immer wenn du eine Entschuldigung dafür suchst, dass du (heute) nicht schreibst, schwingt ein Bedauern mit, vielleicht ein schlechtes Gewissen, eine Enttäuschung, ein Gefühl von „ich hab es nicht geschafft“, vielleicht auch eine Wut auf XY, der/die dich vom Schreiben abgehalten hat. Egal, welche Gründe du findest: Es verändert die Tatsache nicht. Du bist auch gar nicht bei dir oder beim Thema Schreiben, sondern im Außen. Im Außen aber entsteht nichts. Erst, wenn du dich hinsetzt und einen Stift in die Hand nimmst, verbindest du dich mit deinem Schreibwunsch und machst das Schreiben möglich.
So vermeidest du diesen Fehler
Nimm dich und deinen Schreibwunsch ernst. Reserviere Zeit dafür, denn am Ende eines vollen Tages wird weder Zeit noch Energie für das Schreiben übrig sein. Du gerätst dann allzu schnell in einen Teufelskreis des Nicht-Schreibens, des Unzufriedenseins und der neuen Ausreden. Wenn du dich wieder einmal bei einer Erklärung für dein Nicht-Schreiben erwischst, setz dich hin und schreibe sie auf. Wortwörtlich und schwarz auf weiß. Dann schreibe ehrlich darüber. Vielleicht zeigt sich, dass es dir an Schreibtechniken für den Einstieg fehlt. Oder du brauchst ein hilfreiches Schreibritual. Vielleicht hast du tief im Inneren auch Angst vor dem Scheitern und vermeidest das Schreiben daher. Sobald du hier angekommen bist, beim wahren (Hinter-)Grund des Nicht-Schreibens, kannst du eine Strategie entwickeln, die dich wieder zum Schreiben führt. Klarheit ist der erste Schritt. Und sie entsteht beim Schreiben.
Fazit: So startest du wirklich schnell mit dem Schreiben und vermeidest Anfängerfehler
Nicht jeder muss alle Anfängerfehler selbst machen. Die 5 typischen Fehler lassen sich leicht vermeiden. Die wichtigsten Empfehlungen: Rede nicht, schreibe. Lege die Latte niedriger. Spar dir die schönen und kostbaren Schreibbücher für feierliche Momente und die Reinschrift gelungener Texte auf. Arbeite an deinem Mindset. Und schließlich: Mache deine Ausreden für das Nicht-Schreiben zum Thema einer Schreibübung.
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