So einen April hatte ich noch nie. Einen so bildgewaltigen Monatsrückblick auch nicht. Über drei Wochen war ich unterwegs, erst in der Provence, dann in Nordspanien. Mit dem Zug, dem Auto, zu Fuß ging es immer der Sonne und der Inspiration entgegen. Ich durfte eine Zeit der kreativen Arbeit und der Ruhe, der Gemeinschaft und des Schweigens, des Genusses, des Austauschs, der Selbstreflektion, der Konzentration, des Loslassens und der Leichtigkeit erleben. Mit tiefen Eindrücken und viel Sonne auf der Haut und im Herzen bin ich aus dem Süden zurückgekehrt. Und plötzlich war es auch in Kassel grün und warm.
Buchbinden, Malen und Wandern in der Provence
Seit mindestens zwanzig Jahren wollte ich in die Provence. Im April war es endlich soweit. Warum es so lange gedauert hat? Je ne sais pas. 🤷♀️
Ich hatte riesiges Glück. Bis kurz vor meiner Ankunft in Avignon war es nass und bitter kalt, denn der Mistral hatte die Gegend fest im Griff. Als ich kam, war der Spuk vorbei. Ich hatte ausschließlich fantastisches Wetter. So konnte ich bei rund 25 Grad und Sonnenschein auf der berühmten Brücke stehen, den Papstpalast besichtigen und mit café crème, baguette und Rosmarin-Mandeln das Leben feiern. Fehlte nur noch der Spatz von Avignon… Den habe ich nicht gesehen. Aber Mireille Mathieu hört doch noch nicht auf zu singen, wie ich heute zufällig gelesen habe. Abschiedskonzert hin oder her.
Nach einigen Tagen ging es von Avignon aus weiter zu einem Kreativ-Kurs nach Saint-Pierre-de-Vassols, das etwa 40 Kilometer nordöstlich von Avignon am Fuße des Mont Ventoux liegt. Tour-de-France lässt grüßen. Ich bin lieber nicht raufgeradelt, habe mich stattdessen am Zeichnen, Aquarellieren und Buchbinden ausprobiert. Hin und wieder eine kleine Wanderung, z. B. zu Ockerfelsen in der Nähe. Sehr beeindruckend waren auch Ausflüge zu verschiedenen Märkten und nach Saint-Remy. Van Gogh hat außerhalb des Orts ein Jahr in der Psychiatrie verbracht. Ein Teil davon ist inzwischen ein Museum (sehr sehenswert, auch der Garten), ein anderer Teil des Klosters ist weiterhin Psychiatrie. Ich habe mich plötzlich an das Lied „Vincent“ von Don McLean erinnert, das van Gogh gewidmet ist. Es lohnt sich, es mal wieder anzuhören und auch auf den Text zu achten.
Genau wie mein Wunsch, in die Provence zu reisen, war auch meine Liebe zum Französischen lange verloren gegangen. Jetzt habe ich aufgeholt. Dank meiner fleißigen Duolingo-Übungen des letzten halben Jahres, konnte ich mich wieder auf Französisch verständigen und hin und wieder auch für Mitreisende etwas übersetzen. 🎉



















Creative Writing auf dem Jakobsweg
Von der Provence bin ich direkt weiter nach Nordspanien gereist. Weitere 1000 Kilometer Fahrt, quer durch Frankreich und durch die Pyrenäen bis in die Provinz Burgos der Autonomen Region Kastilien-León. Zum Glück waren wir zu zweit. Mein Kollege Christian Bauer und ich haben uns die lange Fahrt mit Gesprächen über alte und neue Zeiten vertrieben (wir kennen uns seit dem Studium!). Endlich im hübschen Castrojeriz angekommen, waren noch ein paar letzte Vorbereitungen zu treffen. Am Tag darauf kam bereits unsere gemeinsame Gruppe für die Schreibreise „Creative Writing auf dem Jakobsweg“ an.
Es ist schwer, diese Woche in Worte zu fassen. Dennoch ein Versuch: Die Kombination aus Pilgern, Schreiben und Kultur an genau diesem Ort war eine großartige Entscheidung, die Komponenten des Angebots haben sich wunderbar ergänzt. Auch sonst hat alles gepasst! Wir hatten 9 fantastische Teilnehmer*innen (4 Männer, 5 Frauen): offen, schreibfreudig, nachdenklich, herzlich und lustig. Besonders stimmungsvoll und berührend fand ich unsere Sonnenaufgangswanderung mit Picknick auf dem Plateau des Hausbergs von Castrojeriz. Aber jeder einzelne Tag auf dem Jakobsweg und mit der Gruppe war inspirierend. Wir haben täglich geschrieben – drinnen, draußen und auch immer wieder unterwegs.

















Du willst das nächste Mal dabei sein?
Wir planen eine Wiederholung dieser Schreibreise, voraussichtlich im Frühjahr 2027.
Die Vormerkung ist ab sofort möglich.
Darauf freue ich mich im Mai
- Ende Mai werde ich wieder eine Schreibwerkstatt in Hann. Münden geben. Diesmal geht es um das Schreiben von Kurzgeschichten. An bewährtem Schreibort, der schönen casa feliz, ist Platz für bis zu 10 Personen. Wer noch dabei sein will, bitte flott anmelden. Der Kurs ist immer schnell voll, da dies der Ursprungsort für meine Schreibwerkstätten ist. Nächstes Jahr kann ich dort 10-jähriges Jubliäum feiern. Mehr Infos zum genauen Termin und zur Kursgebühr.
- Mein Garten wartet auf Zuwendung. Er ist in den Wochen meiner Abwesenheit explodiert und mir etwas über den Kopf gewachsen…
- Ich freue mich auf Spargel und Rhabarberkuchen. Den Kuchen esse ich natürlich am liebsten im Garten unter den Apfelbäumen.





3 Kommentare zu “Monatsrückblick April 2026: Kreative Zeit im Süden”
Ich habe mir immer die Frage gestellt, gar kein Lebenszeichen mehr hier – ist etwas passiert? Nur wusste ich nicht, dass deine Erlebnisse in den letzten Tagen noch voller waren. Liebe Esther, ich hätte am liebsten überall mitgemacht. Die gebundenen Bücher sind so schön geworden. Welches Bild malt ihr dort auf dem einen Foto? Mich sprechen die Farben und Muster sehr an?
Alles Liebe von Katrin
Liebe Katrin,
manchmal ist genau das Schweigen ein Zeichen von intensivem Leben. 😉 Aber du hast Recht, es war still. Und schön! Das Buchbinden war großartig und wir waren alle ziemlich stolz auf unsere Ergebnisse. Das Bild, das dir aufgefallen ist, entstand an einem Nachmittag während unserer Schreibreise im Atelier einer Künstlerin in Castrojeriz. Wir haben ein kollektives Werk gestaltet. Wenn dich die Künstlerin interessiert (sie betreibt auch eine ganz besondere Pilgerherberge), hier ist ein toller Film über sie: https://www.festivalnikon.fr/en/video/2025/658
Liebe Grüße, Esther
Liebe Esther, wie schön, dass du diese Zeit so tief empfinden hast, ein Schatz für dein Leben. Ich bin beim Lesen dabei gewesen. Wunderbar.
Ich freue mich auf die Schreibwerkstatt.
bis dahin Herzensgrüße von mir an dich. ❤️