Wir Menschen sind so klein und richten so viel Schaden an. Im vergangenen Monat habe ich häufig die Perspektive gewechselt. Ich habe ins Universum geblickt, in die Welten von Vögeln und winzig kleiner Insekten und in die Leben und teilweise auch Abgründe von Menschen. Meine Erfahrung: Staunen und Schaudern liegen oft nah beieinander. Wie es zu dieser Mischung an Themen kam, liest du in meinem Monatsrückblick für den März 2026.
Fünf Monde in einer Nacht!
Ich gucke schon immer gern in die Sterne, aber im März bin ich erst richtig auf den Geschmack gekommen. Für eine Reportage war ich mit einem Fotografen-Kollegen in der Sternwarte Rothwesten. Wir brauchten mehrere Anläufe, denn das Wetter spielte erst nicht mit. Aber dann gab es perfekte Bedingungen! Ich habe fünf Monde in einer Nacht gesehen: die vier Monde des Planeten Jupiter, dann noch unseren Mond, in 200-facher Vergrößerung. Ein fantastisches Erlebnis, mal durch ein großes Teleskop zu sehen und dabei den kalten Winterwind zu spüren, wie er durch den Kuppelspalt in das Innere der Sternwarte pfeift.
Einige Tage später war ich im Planetarium Kassel und habe noch mehr über unseren Sternenhimmel erfahren. Ihr könnt meinen Text über diese beiden Ausflüge im Freizeitmagazin des NVV lesen – allerdings erst im Herbst. Zunächst kommt noch das Frühlingsheft heraus. Da bin ich ebenfalls mit zwei Reportagen vertreten. 😎🎉
Biografisches Schreiben
- Im März gab es zwei Schreibwerkstätten unter meiner Anleitung. Besonders gut gebucht war der Kurs „Biografisches Schreiben – Kindheit und Jugend“. Ich staune immer wieder, wie lebendig Erinnerungen zurückkehren, wenn man ein wenig kitzelt. 😍
- Nicht nur meine Kurstteilnehmer*innen haben diesen Monat biografisch geschrieben. Auch ich bin tief in ein Leben eingetaucht. Ich helfe einer fast 90-jährigen Dame dabei, ihre Erinnerungen für die Enkel festzuhalten. Ein langes persönliches Gespräch ist jetzt zu Papier gebracht. Doch am Entwurf gibt es noch einiges zu tun. 🤭
- Mein Blog ist im März um nur einen Artikel gewachsen. Der Beitrag gehört in die 12 von 12-Serie. Hier ist die Abkürzung zum Artikel. Warum dieser Punkt auch in den Absatz Biografisches Schreiben gehört? Weil auch die Foto-Dokumentation eines Tages etwas über ein Leben aussagt, in diesem Fall über mein Leben. Biografien werden anschaulicher und oft interessanter, wenn schriftliche Erinnerungen durch Fotos, Dokumente, Ton- und Bildaufnahmen ergänzt werden.
- Auch darüber ließe sich biografisch schreiben: Ich habe erstmals eine Mammographie erlebt. Eine gute Freundin hatte mich vor einem Schraubstock-Erlebnis gewarnt. Sie hatte Recht. 😢😭
Immer wieder Gewalt gegen Frauen
Gewalt gegen Frauen – dieses Thema lässt mich nicht in Ruhe. Ich habe den offiziellen Bericht des BKA zur Gewalt an Frauen aus dem November 2025, im Amtsdeutsch: „Bundeslagebild Häusliche Gewalt„, und auch die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie aus dem Februar 2026 noch nicht verdaut.
Im März gab es wieder viele Momente, sich intensiv Gedanken über das Thema zu machen. Du hast sicher auch die Nachrichten zu den Deep-Fake-Videos von Collien Fernandes gehört. Durch KI-Tools wird Gewalt gegen Frauen auch digital immer leichter.
Wir müssen alle mehr hinsehen und uns gegen Gewalt in unserer Gesellschaft engagieren. Egal ob die Gewalt sich verbal, emotional, psychisch, physisch, ökonomisch, sexuell, digital oder als eine Mischform aus mehreren Bereichen zeigt. Oft beginnt sie durch „einfache“ Belästigung, Grenzverletzungen und Machtspiele, die wir sehr wohl wahrnehmen – und vielleicht auch hinnehmen. Ich habe mich entschieden, das Thema immer wieder zu platzieren und Initiativen und Anlaufstellen zum Schutz vor Gewalt zu unterstützen.
Mehr Infos zum Thema Gewalt gegen Frauen
Mein Jahresrückblick 2025 enthält einen ganzen Absatz zum Thema Gewalt gegen Frauen. Du findest dort etliche Links, unter anderem auch zur Notfall-Geste, die möglichst viele Menschen kennen sollten, um stumme Notrufe zu verstehen.
Weiterhin kann ich die Ausgabe der Sendung Zwischentöne des Deutschlandfunks vom 29. März empfehlen. Die Sozialarbeiterin Miriam Peters ist dort zu Gast gewesen und hat ausführlich von ihrem Projekt Land-Grazien, einem ambulanten Hilfsangebot für von Gewalt betroffenen Frauen im ländlichen Raum berichtet. Du erfährst dort unter anderem auch, warum tägliches Döner-essen ein Befreiungsakt sein kann.
Diese Bücher habe ich im März gelesen
Der März war für meine Verhältnisse eher lese-arm. Ich hatte zu viele andere Dinge zu erledigen. So sind es „nur“ drei Bücher, die ich hier listen kann. Aber diese drei haben es in sich.
- Thomas Bugnyar: Raben
Mein zweites Buch über Raben, das ich in diesem Jahr gelesen habe. Geschrieben hat es der Verhaltens- und Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar unter Mithilfe der Journalistin Patricia McAllister-Käfer. Sehr gut lesbar, außerordentlich informativ und eine Art Schlüsselloch in die Rabenforschung (Experimente mit wilden und handaufgezogenen Rabenvögel). Dass diese Vögel sehr intelligent sind und Werkzeuge benutzen, wusste ich. Andere Dinge nicht. Ich bin nun noch faszinierter von Rabenkrähen und frage mich seither bei Spaziergängen: Beobachte ich sie – oder sie mich? - Andreas Thalmayr: Schreiben für ewige Anfänger
Ein schmales Bändchen, das 27 Briefe eines erfahrenden Ichs an einen Nachwuchsautor enthält. In erst zögerlichen, dann immer persönlicheren Briefen gibt der alte Hase Tipps und Ansichten rund um den Literaturbetrieb weiter. Themen sind u.a. Schreibkrisen, Copyright, Literaturkritik, Überlebensfragen und das ewige Kämpfen rund ums Schreiben und Veröffentlichen eines Buchs… Was mir gefällt: Der Ton ist locker, der Inhalt ergiebig und interessant für alle, die schreiben. Die Briefe der Gegenseite sind übrigens nicht abgedruckt, der Inhalt lässt sich nur aus den Antworten, also dem nächsten Brief des Schreibenden erahnen. - Dave Goulson: Stumme Erde. Warum wir Insekten retten müssen
Leute, lest dieses Buch! Nicht nur, wenn ihr auch künftig noch Schokolade und Erdbeeren essen wollt. Dave Goulson ist Biologe und einer der bekanntesten und vielleicht auch unterhaltsamsten Naturschützer Europas. Ihm gelingt es, die komplizierten Zusammenhänge rund um das Artensterben zu erklären und gleichzeitig aufzuzeigen, wo wir noch Handlungsspielraum haben und unbedingt aktiv werden müssen. Ganz nebenbei erfahren wir Unglaubliches und Skurriles aus der Welt der Insekten.
In meinem Januar-Rückblick habe ich übrigens ein weiteres Buch des Autors genannt. Auch das ist eine unbedingte Leseempfehlung!
More than Honey – nicht gelesen, aber gesehen
Aus dem Jahr 2012 stammt der Dokumentarfilm More than Honey des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof. Er führt in fantastischen Bildern, auch beeindruckenden Makroaufnahmen, in die Welt der Bienen und erforscht das weltweite Bienensterben von Kalifornien bis China. Mehr Infos zum Film und eine Möglichkeit zum Streamen findest du hier.
Ausblick: Darauf freue ich mich im April
Ich werde fast den ganzen April unterwegs sein, teils privat, teils beruflich. Mich erwarten kulturelle Eindrücke, kulinarische Freuden, kreative Tage, Wanderungen, Ausflüge und schöne Erlebnisse in kleiner, feiner Gesellschaft. Besonders freue ich mich auf:
- Café au lait, pain au chocolat und einen Tanz sur le pont d’Avignon.
- einen Zeichen- und Buchbindekurs in Südfrankreich. Hier bin ich Teilnehmerin.
- „Creative Writing auf dem Jakobsweg“, eine Schreib- und Wanderreise, die ich gemeinsam mit einem Kollegen in Castrojeriz, Nordspanien, geben werde. Wir sind insgesamt 11 Personen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.
Was hat dich im März staunen und erschaudern lassen?
Hinterlasse mir gern einen Kommentar dazu.✍️





2 Kommentare zu “Monatsrückblick März 2026: Staunen und Entsetzen im Wechsel”
Liebe Esther,
nun bin ich seit längerem wieder einmal auf deinem Blog gelandet und dein Dranbleiben am Thema Gewalt gegen Frauen macht mich froh. Ich werde am nächsten Wochenende 60 und trage mich seit längerem mit der Aufarbeitung meiner Vergangenheit herum. Das Thema lässt mich zunehmend nicht mehr los, langsam, ganz langsam beginne ich zu verschriftlichen, was mehr als 20 Jahre tief in mir verborgen lag. Ob es jemals an die Öffentlichkeit kommt, ist mir dabei nicht wichtig, aber ich muss es endlich auskotzen, sonst vergällt es mir mein letztes Lebensdrittel.
Darum Hut ab vor dir und allen, die in der Öffentlichkeit dafür streiten!
Herzlichen Dank,
viele Grüße
Gabi
Danke für diese persönliche Rückmeldung, Gabi.
Ich kann dich nur ermutigen, dir Zeit zu nehmen und die eigenen Erlebnisse aufzuschreiben. Viel Kraft und Erfolg wünsche ich dir dabei.
Alles Liebe, Esther