Der August war wie das Wetter in diesem Monat: sehr durchwachsen. Und im Rückblick stelle ich fest: Ich habe viel geschnitten und gesägt. Kleine Zweige, dickere Zweige und auch Äste, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Einer der Äste, die ich durchgesägt habe, war ein Ast, auf dem ich schon eine längere Weile saß. Ich habe die Kooperation mit einer Agentur beendet. Das hat berufliche Konsequenzen, aber es erspart mir auch wiederkehrenden Ärger. Vielleicht ist das am Ende gut. In diesem Blogartikel kannst du lesen, was genau bei mir los war. Und hier geht es zu meinem Monatsrückblick vom Juli 2026.
Thanks but no thanks
Es gab Ärger. Die Geschäftsführung einer Agentur, für die ich schon viele Jahre arbeite, lässt seit einiger Zeit mit jedem Auftrag einen Schrieb versenden, der aussagt, dass Rechnungen erst nach der Veröffentlichung der Texte bezahlt werden. Unabhängig vom Zeitpunkt der tatsächlich erbrachten Leistung und Rechnungsstellung.
Ich habe diesem Prozedere widersprochen, denn ich arbeite oft mit großem Vorlauf. Im Juli habe ich beispielsweise einen Fachtext geliefert, der erst im Oktober gedruckt wird. Das bedeutet, dass die Agentur sich in diesem Fall erlauben will, meine Rechnung erst mit einem Vierteljahr Verzögerung zu begleichen. Wenn sich intern noch etwas verschiebt, dauert es womöglich noch länger. Das sind keine Bedingungen, unter denen Freiberufliche gut arbeiten und kalkulieren können. Gespräche in den letzten Wochen haben nichts gebracht. Jetzt schreibe ich nicht mehr für diese Agentur. Auch wenn die Zusammenarbeit mit der Redaktion sehr gut und angenehm war.
„Aber Sie sind eine Top-Autorin für diesen Bereich, Frau Niederhammer! Wir möchten gern weiterhin mit Ihnen zusammenarbeiten“. Ja, mag sein. Aber Top-Autor*innen bietet man doch ein faires Miteinander an, oder? Dazu gehört in meinen Augen auch eine verlässliche Rechnungsbegleichung, zeitnah und unaufgefordert. Ich habe auch bei früheren Aufträgen – ohne diese zusätzliche Regel – bei fast jeder Rechnung nachfassen, erinnern und auch mal diskutieren müssen. Ich finde das ärgerlich, unprofessionell, nicht wertschätzend – und existenzgefährdend. Und es widerspricht einem meiner wichtigsten Werte: Augenhöhe.
Bin ich zu hart? Wie siehst du das?
Ich freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren. Ach ja, und wenn du tolle und faire Auftraggeber kennst, die Autor*innen suchen, bitte stelle den Kontakt zu mir her. 🙏
Vom Umgang mit krummen Gemüsen – und Menschen
10,8 Millionen Tonnen! So viele Lebensmittel werden jedes Jahr allein in Deutschland verschwendet und weggeworfen. Weil sie den gängigen Schönheitsidealen und Normen unserer Gesellschaft (und Verbraucher) nicht entsprechen. Oder weil irgendwer entscheidet, dass ihr Verfallsdatum überschritten ist oder es etwas besseres auf dem Markt gibt. Ich kann mich damit nicht abfinden und habe bereits vor Jahren ein ernstes, aber auch lustiges Fotoprojekt zum Thema gestartet. Der Titel: „Bin ich schön?“ Im Fokus: Krumme Gemüse.
Meine Gemüse-Persönlichkeiten wandern seit 2022 und haben Ende August einen neuen Ausstellungsort bekommen. Sie hängen bis zum Ende des Jahres 2026 in den großzügigen Fluren des Berufsförderungswerks Frankfurt am Main, im Regionalcenter Kassel. Das Team des BFW unterstützt Menschen bei der beruflichen Neuorientierung und Reha.
Wo ist der Zusammenhang? Auch Menschen werden oft leichtfertig abgewertet und unbewusst oder absichtlich an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Ursache können eine Behinderung sein, eine Krankheit, eine veränderte Leistungsfähigkeit oder das Alter. Plötzlich gilt der Mensch genauso wenig wie krummes Gemüse. Dabei sagen das Äußere und auch ungerade Lebens- und Karrierewege nichts über die inneren Werte, Fähigkeiten und Erfahrungen von Menschen aus.
Über dieses Thema habe ich bei der Einweihungsfeier der neuen Räumlichkeiten des BFW gemeinsam mit einer Mitarbeiterin, die als Integrationscoach arbeitet, einen Impulsvortrag gehalten. Es war eine rundum gelungene und auch fröhliche Veranstaltung. Zwei besonders krumme Kandidaten aus der Ausstellung sind auch direkt verkauft worden. Die anderen sorgen hoffentlich in den kommenden Monaten noch für einen veränderten Blickwinkel, einen regen Austausch und das ein oder andere Schmunzeln.

Meine Lektüre im August 2026
Zwei lange Zugfahrten (Strecke Kassel – Wien ) sorgten im August dafür, dass ich intensiv zum Lesen kam. Hier sind meine Bücher des Monats. Meine komplette Jahreslektüre findest du übrigens gesammelt in meinem Blogartikel Lektüre 2026.
- Andrea Stoll: Zwei Menschen sind in mir
Im Juli begonnen, jetzt habe ich noch die zweite Hälfte der neuen Ingeborg-Bachmann-Biografie gelesen. An ein paar wenigen Stellen gibt es Dopplungen, aber das Buch lohnt sich, um ein Gefühl für das beeindruckende und gleichzeitig extrem prekäre und tragische Leben der berühmten Ingeborg Bachmann zu erhalten. Die Schriftstellerin aus Klagenfurt wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. - Ingeborg Bachmann: Malina
Das ist keine leichte Bett- und Nebenbeilektüre. Im Gegenteil! Für Malina benötigst du Konzentration, starke Nerven und die Bereitschaft, dich mit schweren Themen zu konfrontieren. Es ist auch ein Beispiel, wie gezielt man Sprachlosigkeit in Sprache verwandeln kann. Das Buch hat mich begeistert und in vielen Passagen auch verstört. Besonders das Ende finde ich einfach grandios. - SZ-Langstrecke
Hin und wieder kaufe ich eine Ausgabe der Langstrecke der Süddeutschen Zeitung. Dort finden sich ausgewählte ausführliche Texte wie Interviews und Reportagen von SZ-Autor*innen. Eine perfekte Lektüre, wenn man mal wieder ungeplant länger mit der Bahn unterwegs ist und ein Zeitungskiosk in der Nähe ist. Oder für lange Herbst- und Winterabende. - Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart
Schonmal gelesen, jetzt wiederentdeckt. Dieses Buch inspiriert mich, die eigenen Denk- und Verhaltensmuster mal wieder zu hinterfragen und den Blick auf das zu lenken, was das Leben entschleunigt und friedlich macht.

Was sonst noch los war im August
- Am 22. August gab ich einen Schreibkurs in der casa feliz in Hann. Münden. Diesmal ging es um das Schreiben von Briefen, Postkarten, Tagebüchern und die moderneren Formen des Schreibens: SMS, Chats, Posts, Journaling. Ganz am Schluss bekamen alle Teilnehmer*innen einen knallig-bunten Briefumschlag, um einen Brief an sich selbst zu schreiben. Probier das selbst mal aus. Das ist eine tolle Erfahrung. Aber den Brief mit viiiiiiiel Abstand öffnen, ich empfehle mindestens 6 Monate Wartezeit.
- Ich musste leider die für Herbst geplante Schreibreise ins Appenzellerland absa(e)gen, da wir zum Stichtag zu wenig Teilnehmer*innen hatten. Natürlich bin ich enttäuscht, ich werde die Reise aber jetzt ins nächste Jahr verschieben. In den Herbst 2027.
- Wie geplant war ich südlich von Wien und bin täglich in einem einsam gelegenen See geschwommen. 5 Tage habe ich im Zelt übernachtet, mit meinen Neffen Marshmallows über einem Feuer gegrillt (immer wieder Igitt!) und mich auf dem Prater zu einer Autoscooter- und Kettenkarusselfahrt animieren lassen. Zur Bahnfahrt lässt sich verkürzt sagen: ein verpasster Anschluss führte zu 10 Stunden Fahrtzeit. Ohne Worte. Die Bahn sägt an meinen Nerven.
- Ich habe meine Buchsbaumhecken im Garten gekillt. Weil der vermaledeite Buchsbaumzünsler meine Buchsbaumhecken im Garten gekillt hat und ich die traurigen Gerippe nicht mehr sehen konnte.

Ausblick: Darauf freue ich mich im September
- Ich bastele an einer Umfrage für euch. Noch ist sie in Vorbereitung und ich kann das genaue Thema noch nicht verraten, aber ich bin dran und freue mich schon jetzt auf eine rege Teilnahme.
- Ich mache beim SEOptember bei Judith Peters mit. Ziel ist, dass meine Blogartikel besser gefunden werden. Durch die AI Overviews bei Google und anderen Suchmaschinen gehen die Klickzahlen runter. Das passt mir nicht.
- Her mit den Herbststürmen! Es soll bitte noch nicht kalt und schmuddelig werden, da bin ich empfindlich, aber auf Spaziergänge mit Herbstfeeling freue ich mich bereits. Und wenn es doch regnet, kommen meine rot-weiß-gepunkteten Gummistiefel wieder zum Einsatz. Das sind die kleinen Freuden der Esther N.
- Und dann freue ich mich noch auf den Beginn der Apfelernte gegen Ende des Monats. Warum? Ich habe das weltbeste Apfelkuchenrezept und dann liebe ich auch noch Apfelbrot, Apfelmus, getrocknete Apfelringe, heißen Apfelsaft mit Zimt.
Ich schreibe diese Monatsrückblicke seit Juli 2025.
Sieh dich gern weiter um. Hier geht’s zu meinen früheren Monatsrückblicken.





6 Kommentare zu “Monatsrückblick August 2026: Im Zeichen der Säge”
Liebe Esther,
also die Sache mit der Agenturkündigung kann ich sehr gut verstehen. Ich finde das ehrlich gesagt, ziemlich dreist. 3 Monate auf die Bezahlung warten? Ich hätte auch gekündigt, egal wie gut die Zusammenarbeit war. Das ist einfach ein NoGo.
Dein Fotoprojekt mit dem krummen Gemüse ist ja genial. Ich hatte mal eine Zeitlang eine Bio-Retterbox abonniert. Leider war oft angegammeltes Gemüse dabei und habe sie wieder abbestellt. Ich erinnere mich an eine besonders lustige Gurke, die habe ich mit Photoshop „verschönert“ – muss mal schauen, ob ich das Foto finde.
Einen Brief an sich selber schreiben. Auch eine wunderbare Idee. Ich schreibe Tagebuch und es ist immer wieder spannend Jahre danach darin zu lesen.
Ich mache auch eine Umfrage (hatte ich ohnehin vor) und jetzt ist sie schon fertig. Hatte gerade Zeit.
Äpfel? Hier Fehlanzeige. Durch die extreme Hitze und Trockenheit, haben die Bäume entweder gar keine Äpfel mehr am Baum oder nur noch ein paar vereinzelte. Letztes Jahr gab es so viele … bin echt traurig, weil die doofen Supermarkt-Äpfel einfach nicht schmecken, dieses fade Zeug.
Wünsche dir einen wunderbaren September.
Herzliche Grüße
Heidrun
Danke für deinen Kommentar, liebe Heidrun.
Die langen Zahlungsfristen sind das eine, was ich nicht akzeptieren kann. Die Tatsache, dass gar keine Verhandlung dazu möglich ist, ärgert mich fast noch mehr. Menschen, mit denen ich bisher rein gar nichts zu tun hatte, diktieren von oben herab, welche Bedingungen in der Zusammenarbeit gelten. Und die Kollegen, die Texte bei mir anfragen, Inhalte und die Deadline zur Lieferung vereinbaren, also meine direkten (netten) Ansprechpartner, stecken notgedrungen mitten im Dilemma.
Schick mir gern die lustige Gurke, wenn das Foto wieder bei dir auftaucht. Ich bin schon gespannt.
Liebe Grüße,
Esther
Liebe Esther,
ich kann es nachvollziehen, das du Dich von der Agentur getrennt hast. Schon zuvor musstest Du um das was dir zusteht betteln, aber das Du Deinen Lohn erst nach Veröffentlichung und nicht bei Artikel Abgabe erhalten solltest, setzt dem Ganzen die Krone auf. Dein Entscheidung Dich zu trennen finde ich folgerichtig. Ich kann auch verstehen dass es dennoch nicht leicht war den Schritt zu gehen.
Aber ich denke , eine Tür schließt sich und eine andere wird sich öffnen.
Liebe Susanna,
dass sich eine neue Türe öffnet, wenn sich eine andere schließt, diese Erfahrung habe ich auch schon oft gemacht. Jetzt hoffe ich, dass es auch diesmal klappt.
Ich freue mich über deinen Kommentar und sende dir herzliche Grüße!
Esther
ich hätte dich so gern in Wien getroffen, beim nächsten Mal klappts hoffentlich! und das mit der Agentur ist ärgerlich, aber du hast richtig gehandelt. Irgendwann reichts dann auch, oder?
Ja, liebe Gudrun. Irgendwann reicht es. Und irgendwann klappt es auch mit unserem Treffen in Wien.
Ich hoffe, du hattest eine schöne Reise, deine Bilder und Postings verfolge ich und bin also immer ein wenig mit dir auf Tour.
Herzliche Grüße,
Esther