Was meine Schreibreisen von anderen unterscheidet: keine großen Versprechen, aber ehrliche Erfahrungen

Warum meine Schreibreisen anders sind - Frau sitzt vor einer historischen Kirche und schreibt in ein Buch

So eine Schreibreise hatte ich noch nie. Im April war ich mit neun Teilnehmer*innen und meinem Kollegen Christian Bauer eine Woche in Castrojeriz, einem magischen Ort auf dem Jakobsweg in Spanien. Am letzten Abend wollten alle nur noch eins wissen: Wohin geht’s als Nächstes? Wann schreiben wir weiter? Sogar Wunschorte wurden direkt in den Ring geworfen.

Das lässt mich seitdem nicht los. Denn diese Gruppe war alles andere als einheitlich. Der Jüngste war 30, der Älteste 66. Es waren fast gleich viele Männer wie Frauen. Die Menschen kamen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und hatten die unterschiedlichsten Berufe und Temperamente. Manche hatten schon viel geschrieben, andere fast gar nicht. Und es hat keine Rolle gespielt. Alle haben drauflos geschrieben, alle haben lustige und berührende Texte erstellt, alle haben mit ihren Ergebnissen den Rest der Gruppe überrascht und inspiriert.

Wie geht das? Ich glaube, es liegt an ein paar Dingen, die ich bewusst anders mache als viele andere Anbieter.

Keine großen Versprechen, keine Esoterik, keine Kanzel

Wenn ich mir Ausschreibungen für Schreibreisen ansehe, stört mich oft der werbliche Ton. Mir begegnen viele Ausrufezeichen, ich höre große Versprechen, oft gibt es einen sterilen oder drängenden Verkaufssound. Das gibt’s bei mir nicht. Genauso stört mich das Gegenteil: wenn es zu weich wird, esoterisch klingt oder wenn therapeutische Wunder verkauft werden.

Anbieter, die wie Lehrer auftreten und von oben herab ein „richtig“ oder „falsch geschrieben“ verkünden, sind auch nicht hilfreich, denn sie triggern bei vielen Menschen eine tief gespeicherte Schul-Angst. Auch ich leite meine Kurse an, keine Frage. Aber ich strebe Augenhöhe an, will keinesfalls auf einem Podest stehen. Ich schreibe zum Beispiel selbst bei jeder Schreibübung mit und lese meine Ergebnisse wie alle anderen in der Schreibgruppe auch vor. Das mache ich schon seit 2017, in kurzen Workshops genauso wie auf einer ganzen Schreibreise.

Schreiben ist in erster Linie ein Abenteuer. Und wenn du erstmal drin bist (geht ratz-fatz!), hat das Schreiben in meinen Kursen oft eine berührende, manchmal sogar heilsame Wirkung. Aber die verspreche ich nicht. Sie entsteht, weil Menschen sich Zeit nehmen, sich auf meine Schreibimpulse einlassen und sich trauen auf innere Entdeckungsreise zu gehen. Und was dann passiert, überrascht die Teilnehmer*innen meistens selbst.

Jede Menge Papier und ein handgeschriebener Gruß

Wie das konkret aussieht? Der Raum ist vorbereitet, bevor irgendjemand ihn betritt. Ein großer Tisch, Blumen darauf, alle haben ausreichend Platz und sitzen doch gesellig beieinander. Auf jedem Platz liegt ein dicker Stapel weißer Blätter, ein schöner Bleistift, und auf dem obersten Blatt ein handschriftlicher Gruß von mir: „Willkommen im Schreibkurs. Schön, dass du da bist.“ Nur mein Vorname darunter. Denn bei mir gilt das lockere Du, von der ersten Minute an.

Ich beginne mit einer kleinen Vorstellungsrunde: Vorname, was einen zum Kurs geführt hat, und eine dritte, frei gewählte Sache über sich selbst. Nichts über Alter oder Beruf oder Publikationen. Etwas Persönliches, gern auch lustig. Ich fange meistens selbst an, das senkt die Hürde und bricht das Eis.

Das klingt vielleicht nach wenig. Aber genau aus solchen kleinen Dingen entsteht der kreative und geschützte Raum, in dem sich Menschen öffnen können. Und das merke ich nicht an großen Worten, sondern an kleinen Momenten: Wenn jemand seinen eigenen Text vorliest und dabei lachen muss, oder wenn jemand mittendrin nicht weiterlesen kann, weil ihn berührt, was da auf dem eigenen Blatt steht. Manchen kommen Tränen. Dann darfst du eine Vorleserunde auch einfach überspringen. Niemand muss lesen, wenn es gerade zu persönlich geworden ist.

Gruppengröße, Schreibort, Rahmenprogramm sind wichtig

Wir waren zu elft: Neun Teilnehmer*innen, mein Kollege und ich. Das ist für mich die maximale Größe, so bekommt wirklich jede und jeder genug Aufmerksamkeit und Austauschzeit. Das soll auch künftig so bleiben. Die bewusste Verbindung mit dem Schreibort ist auch wichtig. Die täglichen Schreibeinheiten fanden deshalb drinnen und draußen statt.

Damit wir nicht nur arbeiten, gibt es bei meinen Schreibreisen immer auch ein Begleitprogramm mit Ausflügen in die Natur, zu Kultur und es gibt Begegnungen mit Menschen vor Ort, die selbst brennen für das, was sie tun. In meinem Monatsrückblick April kannst du stimmungsvolle Bilder der letzten Schreibreise sehen.

Und wenn ich eine Kooperation für ein Angebot eingehe, achte ich darauf, mit wem ich meine Schreibreise entwickle und anbiete. In diesem Fall gab es zwei, die sich als Kursleitung gut ergänzten: mein Kollege und ich kennen uns seit über 30 Jahren und haben in dieser Woche wieder perfekt harmoniert. Christian ist übrigens Reisejournalist und erfahrener Pilger.

Was nach einer Schreibreise bleibt

Natürlich entstehen eigene Texte und viele Ideen während einer Schreibreise. Darüber hinaus nimmt aber jeder noch andere Dinge mit nach Hause: kleine und größere Erfolge, mehr Schreibsicherheit, Werkzeuge und Schreibtechniken fürs eigene Weiterschreiben, Literaturtipps, Erinnerungen und manchmal auch neue Freundschaften.

Ein paar Stimmen aus Teilnehmer-Rückmeldungen geben dir vielleicht noch einen besseren Eindruck:

„Mit spielerischer Leichtigkeit hast du uns in neue Aspekte des Schreibens eingeweiht und warst doch Teil der Gruppe.“

„Du strahlst eine Ruhe aus, die uns durch die Woche getragen hat.“

„Kichererbse, Rapunzel, Lebensfreude, Humor, Witz, Tiefgang.“

„Du hast uns mit deiner Freude und Begeisterung für das Schreiben angesteckt und uns gezeigt, wie einfach es ist, einfach anzufangen.“

Und mein Kollege schrieb mir als persönliches Feedback:

„Ich könnte Seiten vollschreiben, wie wunderbar, harmonisch, inspirierend, vertraut, spaßig und glücklichmachend ich unsere gemeinsame Schreibwoche fand …“


Du traust dir nicht zu, gut genug zu schreiben?

Diese Sorge höre ich oft. Und ich habe eine Antwort darauf: Jede und jeder kann schreiben. In der Gruppe geht es oft sogar leichter als allein am Schreibtisch, weil du konkrete Impulse erhältst und die Texte der anderen dich mitziehen. Du schreibst auch fast immer besser, als du denkst. Niemand urteilt so streng über dich wie du selbst. Rückmeldungen von Gleichgesinnten können dir richtig Aufwind geben.

Was kann dir noch die Zweifel nehmen? Es geht bei mir nie um ein fertiges Werk. Es geht ums Ausprobieren, ums Dranbleiben, Dazulernen, um den Prozess statt das Ergebnis. Am Ende der Woche hast du einen Stapel eigener Texte in der Hand, neue Schreibtechniken im Kopf und Lust, zu Hause weiterzuschreiben.

Für wen sind meine Schreibreisen nicht?

Wenn jemand sich aufplustern will, eine Bühne sucht, sich als besonders geübte, begabte, erfolgreiche Schreiber*in vor der Gruppe produzieren will… Das funktioniert nicht. Aber so weit kommt es bei mir nicht. Bisher haben sich zu meinen Angeboten immer genau die Menschen angemeldet, die dazu passten. 😎


Zwei neue Schreibreisen im Herbst 2026

Wenn du Lust bekommen hast, eine Woche lang zu schreiben, dich zu öffnen und mit einer bunt gemischten Gruppe auf Augenhöhe unterwegs zu sein: Mitte September und Anfang Oktober 2026 gibt es zwei neue Schreibreisen.

Appenzellerland oder Nordspanien?

Vielleicht führt eine dieser Reisen in dein nächstes Abenteuer.
Hier gibt’s mehr Informationen zu den Schreibreisen.

Worte & Stille – Schreiben, Wandern und Innehalten im Appenzellerland (September)

Digital Detox auf dem Jakobsweg (Oktober)

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Hier schreibt Esther

Porträt der Autorin Esther Niederhammer

Als Freie Journalistin schreibe ich Fachartikel, Reportagen und Porträts für deutschsprachige Print- und Online-Medien. Meine Erfahrung aus über 20 Jahren Schreibpraxis gebe ich in Schreibwerkstätten und Schreibcoachings weiter.

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  1. Liebe Esther, vielen Dank für Deinen schönen Blog. Sehr inspirierend. Du machst so viele wunderbare Sachen und bist doch sehr…