Monatsrückblick Mai 2026: Zwischen Parkbank, Kurzgeschichten und neuen Plänen

Der Monat Mai startete nicht ganz leicht. Durch die lange Abwesenheit vom Schreibtisch im April (nachzulesen im Monatsrückblick April), hatte ich noch ein langsameres Tempo und eine geschärfte Wahrnehmung. Die Stadt fand ich laut, Insta grell, die Menschen um mich herum missmutig, mein E-Mail-Postfach übervoll, meinen Schreibtischstuhl zu hart. Keine gute Bedingungen, um wieder durchzustarten und liegengebliebene Aufgaben anzupacken. Aber ich habe dafür gesorgt, dass ich die Kurve kriege und der Alltag mich nicht überrollt. Wie? Das erfährst du hier im Monatsrückblick Mai.

Meine Geheimrezepte heißen Natur und Literatur. Gerade, wenn ich viel zu tun habe, gehe ich bewusst raus ins Grüne. Ich schalte mein Handy stumm und drehe mit offenen Augen und Ohren eine große Runde im Park oder an der Fulda. Meist nehme ich etwas zu schreiben oder zu lesen mit (Notizbuch, analog; Buch, analog). Ich verlagere einen Teil der Arbeit ins Freie und sorge für Bewegung, Licht, Luft, Sonne, Wind . Und schwupp! Läuft es.

Im Mai habe ich draußen viel nachgedacht, geplant und exzessiv Kurzgeschichten gelesen. Eigentlich wollte ich mein Wissen über Kurzgeschichten für eine Schreibwerkstatt nur auffrischen, aber ich bin in einen regelrechten Sog geraten und fühlte mich von den vielen Meisterwerken, die ich (wieder) gelesen habe, berauscht und beflügelt. Oder war es das Rauschen in den Baumwipfeln und das Flügelschlagen der Vögel im Park? Immer wenn ich dann an den Schreibtisch zurückkehrte, war mein Schreibtischstuhl im Vergleich zur Baumwurzel und der Parkbank plötzlich weich und ich arbeitete auch wieder effizient. Sogar die Konzepte für zwei neue Schreibreisen sind im Mai noch entstanden.😅


Spontan festgehaltene Augenblicke im Mai

Ganz klar. Der Weg nach Afrika führt durch den Park vor meiner Tür.
So schön kann Vergänglichkeit sein
kleiner Lektürestapel fürs Pfingstwochenende
Blick in meine Schreibwerkstatt zum Thema „Kurzgeschichten“
Was für ein aufwändiger Gänseblümchen-Kranz! Ein tolles Fundstück im Park

Diese Bücher habe ich im Mai gelesen

Im Mai habe ich mich hauptsächlich mit Kurzgeschichten beschäftigt und dafür sowohl meine Bücherregale als auch die Stadtbibliothek Kassel geplündert. Und weil das noch nicht reichte… ich noch tiefer eintauchen wollte… habe ich auch noch das ein oder andere Buch angeschafft. 😇😍 Es waren vor allem die alten Meister*innen der Short Story, die ich wieder entdeckt habe. Aber nicht nur. Hier meine Leseliste der letzten Wochen:

  • Wolfgang Borchert: Draussen vor der Tür
    Ein schmales Taschenbuch mit reichlich vergilbten Seiten, das ich seit geschätzt 30 Jahren besitze – und hüte. Auch bei der jetzigen Lektüre war ich wieder beeindruckt und erschüttert. Im Buch sind neben dem titelgebenden Theaterstück noch Kurzgeschichten Borcherts, die genauso meisterhaft geschrieben sind. Alle Werke dieses Bands gehen tief unter die Haut, denn sie schildern mit kargen Worten, aber ungeheuerer Wucht die Schrecken des zweiten Weltkriegs. Wolfgang Borchert ist nur 26 Jahre alt geworden. Er war ein wichtiger Vertreter der Trümmerliteratur und wird oft als Vater der deutschen Kurzgeschichte bezeichnet.
  • Heinrich Böll: Wanderer kommst du nach Spa…
    Auch das ist eine Sammlung von Nachkriegserzählungen, die es sich lohnt, wiederzuentdecken. Wie Borchert musste auch Heinrich Böll als junger Mann in den Krieg und hat seine Erlebnisse in Kurzgeschichten verarbeitet. Trotz oder gerade wegen der Thematik sehr lesenswert. Die in diesem Band versammelten Kurzgeschichten entstanden in den Jahren 1947-1950.
  • Dorothy Parker: New Yorker Geschichten
    Kritische, bissige und entlarvende Geschichten, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten und sich um Beziehungen und den ewigen Geschlechterkampf drehen. Sehr unterhaltsam und gleichzeitig toll geschrieben.
  • A Pocket Book of Modern American Short Stories
    In diesem Buch sind große Meister der amerikanischen Kurzgeschichte versammelt: Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald, Dorothy Parker, James Thruber, William Faulkner, Sinclair Lewis, Carson Mc Cullers, Katherine Anne Porter, Jerome Weidman…
  • Amerikanische Meistererzählungen – Zweisprachige Ausgabe
    Noch mehr unbedingt lesenswerte Kurzgeschichten von Washington Irving, Nathaniel Hawthorne, Edgar Allan Poe, Mark Twain, Ambroce Bierce, Edith Wharton, Raymond Carver. In dieser Ausgabe (in der Stadtbibliothek Kassel ausgeliehen) steht jeweils auf der linken Buchseite das Original, auf der rechten Seite die deutsche Übersetzung der jeweiligen Short Story. Mein Highlight in diesem Band: Bartleby, der Schreiber, von Herman Melville. Der Schlüsselsatz, den ich jetzt auch sehr häufig nutzen möchte: „I would prefer not to. / Ich würde vorziehen, das nicht zu tun.“
  • The Penguin Book of English Short Stories
    Auch ein in meinem Regal wiederentdecktes Buch. Es hat mich mit auf eine Zeitreise genommen, in die Jahre meines Englisch-Studiums. Und natürlich haben auch die Briten fantastische Kurzgeschichten geschrieben. Hier sind u.a. versammelt: Charles Dickens, James Joyce, Virginia Woolf, D.H. Laurence, Katherine Mansfield, Evelyn Waugh…
  • Roberta Allen: Short Shortstorys schreiben
    Dieses Buch ist eine Neuentdeckung (und Neuanschaffung 😇). Es widmet sich der Kürzestgeschichte, die noch kürzer, noch intensiver, noch mutiger im Weglassen ist. Es gibt Beispiele von tollen Kürzestgeschichten, auch neuerer Autor*innen, und dazu Impulse, um selbst ins Schreiben von Geschichten zu starten. Ich bin begeistert davon!

Sekundärliteratur…

… über Kurzgeschichten gibt es natürlich auch. Ich habe in der Stadtbibliothek Kassel viel weniger gefunden als erwartet, aber doch das ein oder andere Buch.

Zwei dünne Reclam-Bände haben es im Mai auf meinen Lesetisch geschafft. Aus der grünen Reclam-Reihe gibt es zum Beispiel den Band „Interpretationen Klassische deutsche Kurzgeschichten“.

Man muss sich etwas reinfinden und ich frage mich, wie ich diese Reclam-Miniaturschrift früher bewältigt habe. Ohne Lesebrille, meine ich. Aber wenn sich die Augen mal eingestellt haben, geht es. Und es war eine interessante Horizonterweiterung.


Zwei neue Schreibreisen geplant

Ich habe zusammen mit meinem Kollegen Christian Bauer zwei neue Schreibreisen für den Herbst konzipiert. Eine führt im September ins schöne Appenzellerland. Die zweite Schreibreise nochmal an den Jakobsweg in Nordspanien. Warum wir das tun?

  • Weil wir es können. 🤣
  • Weil wir Ideen entwickelt haben, die Menschen helfen, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen. 🤩
  • Weil gemeinsames Schreiben bereichert, den eigenen Horizont erweitert und Klarheit ins eigene Leben bringt. ❤️

Die Schreibreisen finden an außergewöhnlichen Orten statt, die für das, was wir vorhaben, perfekt geeignet sind. Beide Angebote dauern eine Woche und bieten eine Mischung aus Schreibimpulsen, Wandern in der Natur und Austausch mit Gleichgesinnten. Doch der Fokus ist unterschiedlich. Durch einen Klick auf die Bilder, kannst du Details zur entsprechenden Schreibreise erfahren.

Berglandschaft mit Blick auf einen türkisfarbigen See, darauf steht: Schreibreise im Appenzellerland
Ein Angebot im Kloster Appenzell und mit Ausflügen ins Appenzellerland. Und natürlich Käsefondue.
Ein Angebot, das noch mehr Fokus auf ein analoges Erleben legt und zugleich eigene digitale Gewohnheiten hinterfragt und durchbricht.

Ausblick: Darauf freue ich mich im Juni

  • Noch mehr Kurzgeschichten!!! 🤣 Ich habe meinen Bücherstapel noch nicht ganz durch und ich habe mir vorgenommen, selbst ein paar Kurzgeschichten zu schreiben. Vielleicht draußen, unter freiem Himmel?
  • Eine Freundin, die zu Fuß von Stuttgart bis Hamburg wandert, macht einen Stopp bei mir in Kassel. Ich bin gespannt zu hören, wie ihr Projekt verläuft und was das Langstreckenwandern bisher in ihr ausgelöst hat.
  • In den beiden nordhessischen Mohndörfern Germerode und Grandenborn steht die große Mohnblüte an. Ich will unbedingt wieder hinfahren und den Zauber genießen.
  • Meine wunderbare Provence-Gesellschaft aus dem Monat April trifft sich zu einem Garten-Kaffee-Kuchen-Zauber in Kassel. Da bin ich natürlich dabei.

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Hier schreibt Esther

Porträt der Autorin Esther Niederhammer

Als Freie Journalistin schreibe ich Fachartikel, Reportagen und Porträts für deutschsprachige Print- und Online-Medien. Meine Erfahrung aus über 20 Jahren Schreibpraxis gebe ich in Schreibwerkstätten und Schreibcoachings weiter.

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